Engagierte Schülerinnen und Schüler aus Leverkusen haben kürzlich Zertifikate als ausgebildete Musikmentor*innen erhalten. Die Auszeichnung wurde persönlich von Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, überreicht und würdigt ihren Einsatz für die musikalische Bildung in der Stadt.
Wer donnerstags in der zweiten großen Pause das Werner-Heisenberg-Gymnasium besucht, wird regelmäßig mit Musik empfangen. Einmal im Monat findet in der Aula ein Pausenkonzert statt, die sogenannte Open Stage, bei der Schülerinnen und Schüler für Schülerinnen und Schüler spielen und die Veranstaltung selbst organisieren. Auch im Freiherr-vom-Stein-Gymnasium ist Musik ein fester Bestandteil des Schulalltags – ob im Unterricht, bei Konzerten, Ensemble-Proben oder in Gruppen, die sich gegenseitig coachen.
Leverkusen als Vorreiterkommune im Landesprojekt EMSA
Diese vielfältigen musikalischen Aktivitäten sind Teil des Landesprojekts EMSA – "Eine (Musik)Schule für alle", das in Nordrhein-Westfalen die Idee einer grenzenlosen Musikförderung umsetzt. EMSA steht für das gemeinsame Denken und Gestalten musikalischer Bildungswege und wird vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft sowie vom Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Das Projekt ist an der Hochschule für Musik und Tanz Köln (HfMT Köln) angesiedelt und zielt darauf ab, Musikschulen und allgemeinbildende Schulen strukturell und nachhaltig miteinander zu vernetzen.
In Leverkusen wird EMSA beispielhaft gelebt. Die städtische Musikschule kooperiert eng mit den Gymnasien Freiherr-vom-Stein, Werner-Heisenberg und Landrat-Lucas. Seit diesem Jahr werden die Kooperationen durch die Implementierung von EMSA-Bausteinen an der Sekundarschule Leverkusen und der Theodor-Wuppermann-Schule (TWS) weiter ausgebaut. Was auf dem Papier wie ein Kooperationsprojekt klingt, zeigt sich in der Praxis als ein lebendiges Netzwerk, in dem Musik als verbindendes Element des Schulalltags verstanden wird.
Vielfältige Angebote und die Rolle der Musikmentor*innen
EMSA bietet konkrete Angebote und schafft neue Strukturen. Dazu gehören Pausenkonzerte, die Schulhöfe und Aulen in klingende Bühnen verwandeln, sowie Übecoaches, die jüngere Schülerinnen und Schüler individuell unterstützen. Auch Drehtürunterricht, der von Lehrkräften der Musikschule im Kernbereich der Schulen erteilt wird, gehört dazu. Das „Ensemble jederzeit“ in Leverkusen ist ein inklusives Format, das gemeinsames Musizieren ohne Hürden ermöglicht, ergänzt durch gemeinsame schulübergreifende Ensembles, in denen Musikschul- und Gymnasialschülerinnen und -schüler selbstverständlich zusammen üben und auftreten.
Das komplexe Zusammenspiel dieser Aktivitäten wird von sogenannten Mukos-Musikkoordinator*innen der Musikschule und der allgemeinbildenden Schulen koordiniert. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Schülerinnen und Schüler selbst: Sie werden in speziellen Qualifizierungsmodulen zu Musikmentor*innen ausgebildet. Ihre Aufgaben umfassen die Verantwortungsübernahme in Ensembles, das Leiten von Proben, die Begleitung jüngerer Mitschülerinnen und -schüler beim Üben sowie die organisatorische Mitwirkung bei Konzerten.
Anerkennung für das Engagement der Jugendlichen
Die feierliche Verleihung der Zertifikate durch Ministerin Brandes würdigte dieses Engagement der Jugendlichen. In ihrer Ansprache hob sie die gesellschaftliche Kraft musikalischer Bildung hervor. „Musik fördere Teamgeist, Kreativität, Durchhaltevermögen und gegenseitigen Respekt – Kompetenzen, die weit über den Konzertsaal hinausreichen“, so die Ministerin. Die ausgezeichneten Jugendlichen vom Freiherr-vom-Stein-Gymnasium und vom Werner-Heisenberg-Gymnasium stehen exemplarisch für die Ziele von EMSA: Eigeninitiative, Verantwortungsübernahme und kulturelle Teilhabe für alle.
EMSA versteht musikalische Bildung nicht als zusätzliches Angebot, sondern als integralen Bestandteil schulischer Entwicklung. Musikschule und allgemeinbildende Schule begegnen sich auf Augenhöhe, entwickeln gemeinsame Curricula, tauschen Expertise aus und schaffen Übergänge. Dass Leverkusen diesen Weg entschlossen geht, zeigt, dass „Eine Musikschule für alle“ in der Stadt gelebte Realität ist. Mit der Ausweitung auf weitere Schulformen wächst das Netzwerk stetig weiter und schafft eine kommunale Bildungslandschaft, in der musikalische Förderung strukturell verankert ist – offen, inklusiv und nachhaltig.